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Gute Reise, Erwin

Es ist Montag vormittags, am 24.2.2020. Das Handy läutet zum dritten Mal, ich bin gerade beim Hofer an der Kasse und leicht im Stress. Auf dem Display steht "Renate Zechmeister".

Ich darf sie ein bisschen beim Verkauf Ihrer genialen Bilder unterstützen und habe ihre Webseite gemacht. Was eine Ehre ist, weil ich sie über 20 Jahre lang kenne und sie die beste bildende Künstlerin ist, die ich kenne.

"Deine Galerie ist wie diese alter Bentley-Garage, die sie mal in England unter einer im Wald zugewachsenen Garage gefunden haben!" "Eine Sammlung einzigartiger Bentleys in erstaunlich gutem Zustand und von unschätzbarem Wert!" sage ich immer, wenn sie mir einen ihrer raren Blicke in die Schatzkammer in ihrem Atelier anbietet.

Renate Zechmeister hat mir vor vielen Jahren durch schwierige Zeiten geholfen und auf eine gewisse Weise vielleicht sogar das Leben gerettet. Ich bin ein Verehrer und Sammler ihrer Bilder und wir haben eine besonders vertraute Freundschaft.

Und eine ebensolche, sehr respektvolle Freundschaft verbindet mich seit über 20 Jahren mit ihrem Ex-Mann, Erwin Zechmeister.

Ein Kunde und lieb gewonnener Freund und für mich einer der besten Steinmetze in Österreich. Ein Genie in Sachen Design. "Ein Irrer, ein Freak, ein genialer Geist!" wie auch seine Kollegen schmunzelnd und immer voller Respekt über ihn sagen.

Erwin ist mir über die Jahre sehr ans Herz gewachsen. Weil er Dir das Gefühl gibt, immer für Dich da zu sein. Er ist ein Vollblut-Unternehmer und hat sich ein echtes kleines Imperium in Hollabrunn im Waldviertel aufgebaut.

Ich kann mich noch gut an das Feuer in seinen Augen erinnern, als er mir die Pläne für seine geniale Holz-Büro-Pavillion Konstruktion gezeigt hat.

"Ganz schön groß und sauteuer!" hat er gesagt, aber ich wusste: wenn das einer in kurzer Zeit schafft, dann er.

Spätestens seit dem "Falco-Grab" ist er in aller Munde und auch in der Öffentlichkeit bekannt und geschätzt. Sein Grabsteinlager ist legendär und ich bewundere ihn immer für seinen Geschmack und sein Talent, aus Stein etwas Einzigartiges zu machen.

Noch mehr bewundere ich ihn für die Art und Weise, mit der er mit seiner schweren Krankheit umgegangen ist und wie er sie gefühlt auch besiegt hat. Er ist keiner, der jammert oder sich beschwert. Er ist einer, der Probleme löst, wenn sie auftauchen.

Diese Geschichte hat ihn zwar wirklich mitgenommen, aber bei meinem letzten Besuch war er einigermaßen fit und ziemlich fröhlich.

Auf jeden Fall habe ich ihn schon weit schlechter erlebt und war froh, dass er wieder auf denn Beinen war und er erkennbar auch.

Wer ihn nicht kennt: Erwin ist kein Mann vieler Worte, keiner, der lange mit Dir plaudert am Telefon. Zumindest nicht in beruflicher Hinsicht. Da ist er kurz und wunderbar klar:

"Das ist eine Bestellung, da kannst Du einen Auftrag draus machen!" Punkt. Einer meiner Lieblingssätze, den ich öfter mal hören durfte in den letzten 20 Jahren.

Ich überlege kurz, ob ich das Telefonat hier mitten in der lauten Umgebung des Supermarktes annehmen soll und klicke dann auf den grünen Knopf.

"Liebe Renate!" sage ich zu ihr am Telefon und warte auf ihre Antwort:

"Du, Andreas, ich muss Dir was sagen: heute in der Nacht um 03.00 ist der Erwin gestorben!"

Ein totaler Schock! Ein paar Tage zuvor war ich noch bei ihm im Büro, habe seinen berühmten Espresso getrunken und wir haben ein bisschen herumgealbert, was eh selten genug vorkam.

"Waaaas?" sage ich.

"Das kann doch nicht sein, das gibt´s doch nicht, er war doch wieder ziemlich fit und gut drauf, wie kann das sein?" frage ich sie ungläubig. Aber diese Frage beantwortet sich auf tragische Art von alleine.

"Ja, er ist heute in der Nacht gestorben" sagt die ebenfalls unter Schock stehende Renate Zechmeister.

Ich bin sprachlos. Weiß nicht, was ich sagen soll. Die Geräusche im Supermarkt sind plötzlich weg, es ist eigenartig still. Dein Gehirn erkennt die Antwort und versucht sie zu verarbeiten. Aber Dein Gefühl kann sich nicht damit abfinden.

Das kann nicht sein. Das darf nicht sein. Das ist einfach nicht möglich!

Unser Gespräch ist am Ende. Du weißt, Du kannst da jetzt nicht mehr weiterreden.

Ich schreibe diesen Artikel am Abend des 25. Februars. Ich habe das Gefühl, ich schulde ihm was, dem Erwin. Und ich weiß, dass es nicht so ist.

Er hat seine Reise nach drüben angetreten, eine Reise, die mir, uns allen irgendwann genauso bevorsteht. Wohl eine der meist verdrängten Tatsachen. Lieber Erwin, Ich wünsche Dir auf Deinem Weg das Allerbeste. Habe eine gute Reise und komm gut "drüben" an. Du hast es geschafft in dieser Welt, Du schaffst es auch in der Nächsten.

Ich bin froh und dankbar, Dich gekannt zu haben. Es war mir eine Ehre, Dich viele Jahre lang begleiten zu dürfen und von Dir zu lernen.

Und ich bin froh, dass ich Dich beim letzten Mal noch umarmen durfte. Das ist ja heute bei uns Männern nicht immer so selbstverständlich.

Ich wünsche Dir von ganzem Herzen alles Gute.

Dein Andreas Mittlböck

Mein aufrichtiges Mitgefühl möchte ich zum Ausdruck bringen allen, die ihn gekannt und gemocht haben. Und denen, die ihn geliebt haben. Seine Frau Petra Zechmeister und seiner gesamten Familie. Seinem wunderbaren Team bei Stein mit Herz und Hirn, Zechmeister GmbH. Es gibt ihn weiter! Nicht nur in unseren Herzen.

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